Banken finanzieren atomares Wettrüsten

Volksbanken verkaufen tödliches Investment an Privatanleger – Deutsche Bank größter Finanzier des Atomwaffengeschäfts

Deutsche Kreditinstitute finanzieren mit Milliardenbeträgen die Herstellung von Atomwaffen und beteiligen sich somit am weltweiten nuklearen Wettrüsten. Das geht aus einer Studie hervor, die am heutigen Mittwoch von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) und der niederländischen Friedensorganisation PAX veröffentlicht wird. Demnach haben zehn deutsche Finanzdienstleister seit Januar 2014 insgesamt rund 10,37 Milliarden US-Dollar (8,41 Milliarden Euro) den Atomwaffen-Produzenten zur Verfügung gestellt. Die Volks- und Raiffeisenbanken verkaufen das tödliche Investment sogar über den Fonds „UniGlobal“ an Privatanleger. Die im Bericht untersuchten Rüstungsunternehmen produzieren Atombomben, Atomsprengköpfe sowie Atomraketen oder sind mit der Wartung dieser Systeme beauftragt.

Der hierzulande mit Abstand größte Finanzier bleibt die Deutsche Bank. Im Vergleich zur vorangegangenen Studie sind die Investitionen der Deutschen Bank von 5,15 Mrd. auf 6,62 Mrd. US-Dollar gestiegen. Ins Auge fällt aber auch die Finanzspritze der DZ Bank, die ihr Investment in Atomwaffenhersteller von 66 Mio. auf 470 Mio. US-Dollar massiv erhöht hat. Die DZ Bank ist das Zentralinstitut von rund 1.000 Genossenschaftsbanken in Deutschland, dazu gehören etwa Volks- und Raiffeisenbanken.

Die DZ Bank unterstützt die US-amerikanische Rüstungsfirma Northrop Grumman mit mehr als 400 Mio. US-Dollar. Dieses Unternehmen produziert Atomraketen für das US-Arsenal und ist auch am britischen Atomwaffenprogramm beteiligt. Die DZ Bank hat diese Firma in den Fonds „UniGlobal“ aufgenommen. Es handelt sich um den „Vorzeige-Fonds der Volksbanken“ (FAZ) und er richtet sich vor allem an Privatpersonen, zum Beispiel für die Riester-Rente.

Dieses Investment der DZ Bank widerspricht dem Geist des eigenen Verhaltenskodexes. Dort heißt es: „Der Nachhaltigkeit unseres unternehmerischen Handelns und dessen Wertschöpfung messen wir eine hohe Bedeutung bei. Demgemäß berücksichtigen wir bei der Kreditvergabe neben wirtschaftlichen auch ökologische und ethische Faktoren.“

Aino-Ritva Weyers, Vorstandsmitglied von ICAN Deutschland, kommentiert: „Wenn Banken ethische Werte ernst nehmen, müssen sie Investitionen in Atomwaffen komplett ausschließen. Ansonsten nutzen sie das Geld ihrer Kunden, um deren potentiellen Tod zu finanzieren. Jede Unterstützung des atomaren Wettrüstens ist unverantwortlich.“ Im Juli vergangenen Jahres haben 122 Staaten bei den Vereinten Nationen ein Atomwaffenverbot [4] beschlossen. Damit wurde verdeutlicht, dass der Einsatz und die Existenz dieser Waffen ethisch unter keinen Umständen vertretbar ist. Weyers: „Immer mehr Staaten erteilen Atomwaffen eine klare Absage. Wenn Banken weiter investieren, stehen sie auf der falschen Seite der Geschichte.“

Die internationale Studie „Don’t Bank on the Bomb“ bezieht sich auf die Zeit seit Januar 2014 und untersucht die Investitionen in 20 Atomwaffenhersteller. Dazu wurden verschiedene öffentlich zugängliche Quellen ausgewertet, etwa Berichte von Finanzinstituten, Medienmeldungen oder NGO-Informationen. Insgesamt haben die Nuklearfirmen der Studie zufolge mindestens 525 Milliarden US-Dollar erhalten. Das ist ein Anstieg um 81 Milliarden US-Dollar gegenüber der Vorgängerstudie. Diese ist im Dezember 2016 erschienen und bezieht sich auf die Zeit seit Januar 2013. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Seit der Annahme des UN-Vertrags zum Verbot von Atomwaffen haben bereits 30 Unternehmen ihre Investitionen in diese Waffen beendet.

Übersicht über die Investitionen seit Januar 2014

Deutsche Bank: 6,620 Mrd. Dollar

Commerzbank: 1,264 Mrd. Dollar

Allianz: 1,036 Mrd. Dollar

DZ Bank: 470 Mio. Dollar

BayernLB: 454 Mio. Dollar

Munich Re: 148 Mio. Dollar

Siemens: 134 Mio. Dollar

Helaba: 111 Mio. Dollar

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): 66 Mio. Dollar

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): 66 Mio. Dollar

 

Weitere Informationen 

Den deutschen Teil der Studie finden Sie unter: https://www.icanw.de/wp-content/uploads/2018/03/2018_Germany.pdf

Die internationale Studie finden Sie unter https://www.dontbankonthebomb.com

 

Das sind die zwanzig Firmen, die Atomwaffen herstellen

Wir haben 20 Unternehmen in Frankreich, Indien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und den USA identifiziert, die wesentlich an Instandhaltung und Modernisierung der Nukleararsenale Frankreichs, Indiens, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten beteiligt sind. Dies ist keine vollständige Liste. Diese Unternehmen liefern die für Entwicklung, Test, Instandhaltung und Modernisierung von Atomwaffen benötigten Bestandteile und Infrastruktur. Die Verträge, die diese Unternehmen mit Atomwaffenstaaten haben, betreffen Materialien und Dienstleistungen, um Nuklearwaffen in ihren Arsenalen zu halten. In anderen Atomwaffenstaaten – Russland, China, Pakistan und Nord-Korea – werden Instandhaltung und Modernisierung der Nuklearstreitkräfte ausschließlich von Regierungsbehörden durchgeführt.

 

Aecom (USA)
Aecom ist Teil der Gruppe von Unternehmen, die US-amerikanische Atomwaffenlabore und Testgelände führt, einschließlich derer, die für Gestaltung und Fertigung elektronischer, mechanischer und struktureller Systeme von Nuklearwaffen verantwortlich sind. In den letzten Jahren sollen Aecom und seine Partner unterdurchschnittliche Leistung erbracht haben, die US-Regierung hat wegen „signifikanter Leistungsfehler oder Leistungsfehler ‚ersten Grades'“ die Vergütungen gekürzt.

Aerojet Rocketdyne (USA)
Aerojet Rocketdyne, früher bekannt als GenCorp, ist an Entwurf, Entwicklung, und Produktion land- und seegestützter nuklearer ballistischer Raketensysteme für die Vereinigten Staaten beteiligt. Derzeit produziert es Antriebssysteme für die Atomraketen Minuteman III und Trident II (D5).

Airbus (Niederlande)
Airbus ist ein niederländisches Unternehmen, das U-Boot-gestützte Nuklearraketen für die französische Marine produziert und instand hält (die M51.2), derzeit entwickelt es die nächste Generation U-Boot-gestützter Raketen, die M51.3. Airbus ist ein Schlüsselmitglied des Joint Venture MBDA-Systems, das über Verträge zur Erweiterung der Lebensdauer französischer ASMPA-Raketen bis 2035 verfügt. MBDA besitzt außerdem Verträge über die neuen französischen Raketen, die ASN4G.

BAE Systems (Vereinigtes Königreich)
BAE Systems ist an den Atomwaffenprogrammen Frankreichs, des Vereinigten Königreichs, sowie der Vereinigten Staaten beteiligt. Es stellt wesentliche Bestandteile für die Trident II (D5) Raketen der britischen und US-amerikanischen Atomarsenale her. Außerdem produziert es Systeme der Interkontinentalrakete Minuteman III der USA. Auch BAE Systems ist Teil des MBDA-Joint Venture und liefert atomar bestückte Luft-Boden-Raketen an Frankreich.

Bechtel (USA)
Bechtel führt die staatlichen Labore Los Alamos und Lawrence Livermore in den USA, die eine wichtige Rolle in Forschung, Gestaltung, Entwicklung und Fertigung von Atomwaffen spielen. Die US-amerikanische Nationale Behörde für Nukleare Sicherheit (NNSA – National Nuclear Security Administration) wurde mehrfach für die Erneuerung dieser Verträge trotz signifikanter Leistungsprobleme kritisiert. Bechtel ist auch an der Produktion und Sanierung US-amerikanischer Atomwaffen auf dem Y-12 Nationalen Sicherheitskomplex in Tennessee beteiligt sowie am Programm zur Erweiterung der Lebensdauer von W76-Gefechtsköpfen auf Trident II-Raketen auf der Pantex-Anlage in Texas.

Boeing (USA)
Boeing wurde unter Vertrag genommen, um die atomare Interkontinentalrakete Minuteman III bis 2030 im US-Atomwaffenarsenal einsatzbereit zu halten. Zusätzlich wird Boeing das neue bodengestützte strategische Abschreckungssystem für die USA herstellen, das das Minuteman III-System ersetzen soll. Boeing produziert auch das steuerbare Heck für die neue US-amerikanische Nukleargravitationsbombe B61-12 (die in Europa stationiert werden sollen). Zusätzlich verfügt Boeing über Verträge für Schlüsselkomponenten für die Kernwaffe Trident II (D5) der USA und des Vereinigten Königreiches.

BWX Technologies (USA)
BWX Technologies („BWXT“), früher bekannt als Babcock & Wilcox Company, betreibt durch Joint Ventures mehrere US-Atomwaffenanlagen. All diese Einrichtungen, unter anderem das Lawrence Livermore National Laboratory, das Los Alamos National Laboratory und das früher als Nevada Test Site bekannte Nationale Sicherheitsgelände Nevada (NNSS – Nevada National Security Site), arbeiten für verschiedene Modernisierungsaspekte nuklearer Gefechtsköpfe im US-Arsenal und haben Daten an britische Labore geliefert. Gemeinsam mit anderen Partnern soll BWXT in den vergangenen Jahren unterdurchschnittliche Leistungen erzielt haben und wichtige US-Regierungsbehörden wurden für Vertragserneuerungen kritisiert.

CH2M Hill (USA)
CH2M Hill ist einer der Joint Venture-Partner, der das ehemalige Nuklearwaffentestgelände in den USA betreibt (heute Nevada National Security Site genannt). Die Einrichtung führt weiterhin Kernwaffen-bezogene Experimente durch und sendet Daten sowohl an US-amerikanische als auch britische Atomwaffenlabors. CH2M Hill wurde im Dezember 2017 von Jacobs Engineering übernommen, Informationen zu CH2M Hill finden sich deshalb hier für Referenz-Zwecke.

Fluor (USA)
Fluor ist der für die Leitung und den Betrieb der US-Atomwaffenanlagen bei Savannah River in South Carolina verantwortliche Projektträger. Neben anderen Aufgaben ist Fluor für die Verwaltung des Atomarsenals der Anlagen (Savannah River Site und Savannah River National Laboratory) zuständig.

General Dynamics (USA)
General Dynamics hält zahlreiche Verträge zu Trident II-Raketensystemen des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten. Es verfolgt eine Reihe von Konstruktions-, Entwicklungs- und Produktionsaktivitäten für die britischen und US-amerikanischen strategische Waffensysteme Trident II. Außerdem ist es an den Steuerungssystemen der Atomrakete Trident-II (D5) der US-Marine beteiligt.

Honeywell International (USA)
Honeywell International verwaltet und betreibt den National Security Campus (früher Kansas City Plant), welcher rund 85% der nicht-nuklearen Bestandteile für US-Atomwaffen herstellt, einschließlich elektronischer, mechanischer und gerätetechnischer Komponenten. Honeywell ist auch an der Verwaltung weiterer US-Atomwaffenanlagen beteiligt, einschließlich Savannah River, dem Nationalen Sicherheitsgelände Nevada (ehemalige Nevada Text Site) und Sandia Lab. Die Arbeit bei Sandia schließt die Systemintegration ein, also den Anschluss von Atomwaffen an ihre Trägersysteme. Honeywell ist auch an der Herstellung wesentlicher Bestandteile für die Nuklearrakete Trident II (D5) beteiligt, die einen Teil der britischen und US-amerikanischen Arsenale ausmacht.

Huntington Ingalls Industries (USA)
Huntington Ingalls Industries ist an der Verwaltung des US-Atomarsenals und verwandter Einrichtungen beteiligt, darunter der Tritiumproduktion auf der Havannah River Site, der einzigen Quelle neuen Tritiums für das US-Atomarsenal.

Jacobs Engineering (USA)
Jacobs Engineering Group ist an dem Joint Venture AWE-ML beteiligt. AWE ist für die Instandhaltung der Gefechtsköpfe des britischen Trident II-Nukleararsenals verantwortlich. Berichten zufolge entwickelt die AWE-Anlage einen neuen Sprengkopf, den MARK 4A oder Mk4A. Das Unternehmen ist auch Teil des Konsortiums, das für das US-amerikanische Atomwaffentestgelände Nevada National Security Site (NNSS) bei Las Vegas verantwortlich ist.

Larsen & Toubro (Indien)
Larsen & Toubro ist für die Entwicklung des Startsystems der nuklearfähigen Kurzstreckenrakete Akash für den Boden-Luft-Einsatz im indischen Atomarsenal verantwortlich.

Lockheed Martin (USA)
Lockheed Martin ist für die Konstruktion der Trident II (D5) – Atomraketen für die USA und das Vereinigte Königreich verantwortlich. Es ist für die USA auch an der Herstellung und Instandhaltung der nuklearen Interkontinentalrakete Minuteman III beteiligt und wird nun die neue Langstrecken-Standoff-Rakete (LRSO Long Range Stand Off) entwickeln. Es ist Teil des Teams, welches das UK Atomic Weapons Establishment führt, das für das Vereinigte Königreich atomare Gefechtsköpfe entwirft, fertigt und instand hält. Außerdem ist es an der Modernisierung US-amerikanischer Kernwaffen auf den Pantex-, Savannah River- und den Y-12-Anlagen beteiligt.

Northrop Grumman (USA)
Northrop Grumman fertigt Interkontinentalraketen (ICBMs) für das US-Atomarsenal. Derzeit ist es an den Minuteman III-Raketen beteiligt und wird nun die neuen Nuklearraketen der „boden-gestützten strategischen Abschreckung“ (GBSD Ground Based Strategic Deterrent) herstellen. Außerdem produziert es für die USA und das Vereinigte Königreich Subsystemkomponenten der Trident II (D5)-Startsysteme. Zusätzlich ist es teilweise für das Nationale Sicherheitsgelände Nevada (früher bekannt als Nevada Test Site) verantwortlich, das für verschiedene Modernisierungsaspekte nuklearer Gefechtsköpfe für das US-Arsenal arbeitet und Daten an britische Labore geliefert hat.

Orbital ATK (USA)
Orbital ATK (ehemals bekannt als ATK oder Alliant Techsystems) produziert Raketenantriebssysteme für U-Boot-gestartete ballistische Trident II Raketen der US-amerikanischen und britischen Atomarsenale. Orbital ATK ist auch verantwortlich für die drei festen Treibstoffstadien der interkontinentalen ballistischen Minuteman III Raketen (ICBM) für die USA und verfügt über einen Vertrag zur Herstellung von Bestandteilen für die neuen Atomraketen der boden-gestützten strategischen Abschreckung (GBSD). Es ist auch an den Nuklearwaffenanlagen Y-12 und Pantex beteiligt, die Atomwaffen für das US-Arsenal sanieren. Northrop Grumman verkündete, Orbital ATK in der ersten Hälfte von 2018 zu übernehmen.

Safran (Frankreich)
Safran und Airbus formen gemeinsam die ArianeGroup, die für die Herstellung der Feststoffraketenmotoren der M51 zuständig ist, der strategischen ballistischen Rakete in Frankreichs Nukleararsenal. Die M51 trägt zahlreiche Gefechtsköpfe und ersetzt die M45.

Serco (Vereinigtes Königreich)
Serco ist Teil des Joint Venture AWE-ML, welches das UK Atomic Weapons Establishment leitet. Es ist für die Fertigung und Instandhaltung nuklearer Gefechtsköpfe für das britische Arsenal verantwortlich. Außerdem ist es an der Entwicklung des völlig neuen Sprengkopfes Mark 4A oder Mk4A beteiligt, welche Berichten zufolge ohne eine offizielle Benachrichtigung des britischen Parlaments begann.

Thales (Frankreich)
Thales arbeitet Seite an Seite mit der französischen Regierung, um die ballistischen Atomraketen M51.3 zu modernisieren und die Fähigkeit zu wahren, diese von U-Booten aus zu starten. Es ist außerdem direkt an der Produktion der französischen Atomrakete M51 beteiligt gewesen.

Protest gegen Finanzierung von Atomwaffen, Schottland. Foto: Tim Wright / ICAN Australia

Studie: Milliarden für Atomwaffen

Deutsche Banken müssen sich auf Verbot einstellen

Utrecht/Berlin. Deutsche Finanzinstitute haben 2016 erneut einen Milliardenbetrag in Atomwaffen-Hersteller investiert. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die heute von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) und der niederländischen Friedensorganisation PAX in Utrecht vorgestellt wird. Demnach haben zehn deutsche Finanzdienstleister sei Januar 2013 den Atomwaffen-Produzenten rund 9,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die betroffenen Unternehmen produzieren Atombomben, Atomsprengköpfe sowie Atomraketen und sind mit der Wartung dieser Systeme beauftragt.

Im internationalen Vergleich geraten die deutschen Banken damit ins Hintertreffen. Denn in Australien, Dänemark, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien haben bereits 18 Investoren mit einem Gesamtvermögen von 1,7 Billionen Euro kategorisch alle Investitionen in Atomwaffen-Firmen ausgeschlossen. „Das zeigt, dass Atomwaffen-Investitionen eine Entscheidung und keine Notwendigkeit sind“, so die Projektleiterin Susi Snyder (PAX).

Die Institute, die das Geschäft mit der Bombe beenden, reagieren damit auf den internationalen Druck, Atomwaffen völkerrechtlich stärker zu ächten. Im Oktober hatte der erste Ausschuss der UN-Generalversammlung beschlossen, 2017 Verhandlungen über einen neuen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen zu beginnen. Wie schon das Streumunitions-Abkommen könnte dieser Vertrag einen Artikel enthalten, der die finanzielle Unterstützung von Atomwaffenproduzenten unter Strafe stellt. Schließt sich die Bundesrepublik an, wäre die Atomwaffen-Finanzierung in Deutschland zu Ende.

„Diese Banken reden ständig von unternehmerischer Verantwortung. Wenn sie das ernst meinen, dann sollten sie sofort ihre Finger von Atomwaffen-Firmen lassen“, so Martin Hinrichs von ICAN Deutschland. „Es ist unverständlich, dass für Atomwaffen nicht mindestens so strenge Maßstäbe gelten wie für Streumunition. Diese Waffen sind direkt auf die Zivilbevölkerung gerichtet. Die internationalen Spannungen erhöhen die Gefahr eines neuen Hiroshimas. Jeder Beitrag zum atomaren Wettrüsten ist unverantwortlich.“

Das Thema “Atomwaffen-Finanzierung“ wurde im Februar 2016 von der Initiative Nachrichtenaufklärung zum wichtigsten vernachlässigten Nachrichtenthema des Jahres gewählt.

ZAHLEN UND FAKTEN

Spitzenreiter ist mit 4,8 Milliarden Euro die Deutsche Bank, gefolgt von der Allianz (1,6 Milliarden) und der Commerzbank (1,5 Milliarden).

Übersicht über die Investitionen seit Januar 2013

Finanzinstitut Betrag in Millionen Euro
Allianz € 1.654
BayernLB € 381
Commerzbank € 1.542
Deka-Gruppe € 271
Deutsche Bank € 4.877
DZ Bank € 62
Helaba € 173
KfW € 62
Landesbank Baden-Württemberg € 62
Siemens Financial Services € 154

Quelle: Don’t Bank on the Bomb, PAX, Dezember 2016.

Neue Finanzbeziehungen seit der Veröffentlichung der letzten Studie (November 2015)

Die Allianz hält weiterhin erhebliche Aktienanteile sowie Anleihen an 13 Atomwaffenproduzenten, mit einem gegenüber 2015 fast unveränderten Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden Euro.

Die Bayerische Landesbank vergab vier neue Kredite an Boeing und Honeywell International.

Die Commerzbank vergab zwei neue Kredite an Boeing, einen neuen Kredit an Safran, und war an der Ausgabe neuer Anleihen von Boeing und Thales beteiligt.

Die Deka Group hielt weiterhin Aktien an der Airbus-Gruppe und Anleihen von Leonardo-Finmeccanica.

Die Deutsche Bank vergab neue Kredite an Bechtel, Boeing, Honeywell International, Northrop Grumman, Raytheon sowie Safran und war an der Ausgabe von Anleihen für die Airbus-Gruppe und Boeing beteiligt. Sie hielt Aktien an der Airbus-Gruppe, BAE Systems, BWX Technologies, Fluor, Moog und Raytheon sowie Anleihen an Aerojet Rocketdyne, General Dynamics, Moog, Northrop Grumman und Raytheon.

Die Kreditvergaben der übrigen Institute waren bereits von der letzten Studie im Oktober 2015 erfasst.

Weitere Informationen

Vollständige Studie

Übersicht zu Investoren in Deutschland sowie zu den Herstellerfirmen (in englischer Sprache):

Kurzfassung

Kontakt: Xanthe Hall 0160-941 61 249, xanthe@ican.berlin

Finanzierung von Atomwaffen auf Platz eins der medial vernachlässigten Themen

Deutschlandfunk und die Initiative Nachrichtenaufklärung haben am Mittwoch die Top 10 der Themen präsentiert, über die 2015 in den Medien nicht ausreichend berichtet wurde. Die Finanzierung von Atomwaffen belegte dabei den ersten Platz: Zwar investieren deutsche Finanzinstitute immer noch im großen Stil in Konzerne, die in die Herstellung, Entwicklung und Instandhaltung von Atomwaffen verwickelt sind. Trotzdem taucht dieses Thema in den Nachrichten so gut wie gar nicht auf. Dies macht es den betreffenden Akteuren umso leichter, weiterhin auf Kosten der Sicherheit von Mensch und Umwelt Profite zu machen.

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Jubiläumsbecher der Los Alamos Study Group für 25 Jahre Arbeit. Bild: LASG

Spar Dir den Atomkrieg – Die Macht der Atomlabore

Die Drohgebärde mit atomarer Bewaffnung ist längst ein Feilschen um Macht und wirtschaftliche Zusammenhänge geworden. Wer in den Atomlaboren, zum Beispiel in den USA, an der Bombe arbeitet, genießt häufig einen gesicherten, gehobenen Lebensstandard, erzählten uns Trish und Greg Mello von der Los Alamos Study Group bei ihrem Besuch in Deutschland.

Verknüpfungen der Rüstungsindustrie mit den Milliardengeschäften der Atomindustrie zur zivilen Nutzung machten Firmen und Einzelpersonen reich und mächtig. Eine starke Wirtschaftslobby mit Verflechtungen hinein in die Politik und zu Geheimdiensten hält die Atomwaffenindustrie am Laufen. Banken sind weltweit in die Finanzierung von Atomwaffen und deren Trägersystemen verstrickt. Das US-amerikanische Atomlabor in der Wüste von Arizona, Los Alamos, die Geburtsstätte der Bombe, ist immer noch ein mächtiger, geschützter Hochsicherheitstrakt, in dem Menschen an der Bombe arbeiten. Eine Gruppe der Friedensbewegung, die Los Alamos Study Group (LASG), beobachtet seit Herbst 1989 die Atomwaffenschmiede und lüftet Geheimnisse der Atomwaffenindustrie. Greg und Trish Mello von LASG berichteten von ihren Erkenntnissen während einer Tour in Deutschland früher in diesem Jahr.

Die MitarbeiterInnen im Atomlabor werden teuer bezahlt. Eine Anstellung in der Nuklearwaffenindustrie verschafft ihnen einen Lebensstandard, der mit anderen Jobs nicht so leicht zu erlangen ist. Staatsangestellte verdienen in den USA weit weniger als die Angestellten der Privatfirmen. Was sie in den Atomlabors verdienen, bleibt zwar geheim, aber die Los Alamos Study Group hat einige Zahlen aufgedeckt.

Ein Geschäftsführer des Labors, so heißt es, verdiene ca. 1,6 Millionen US-Dollar pro Jahr. Tausende WissenschaftlerInnen bekommen genauso viel wie ein Staatsminister oder ein General. Auch eine Sekretärin kann 187.000 US-Dollar jährlich kassieren. Diese Zahlen werden nur mündlich weitergegeben, sie existieren nicht auf dem Papier.

Die Atomwaffenherstellung in den USA ist mittlerweile zu 95% privatisiert. Acht Atomzentren, die nukleare Sprengköpfe herstellen, existieren in den USA: drei Labore und fünf Herstellungsanlagen. Die drei Labore sind das Los Alamos Nuclear Laboratory (LANL), Lawrence Livermore Nuclear Laboratory (LLNL) und Sandia Nuclear Laboratory (SNL).

Die Macht der Atomlabore wuchs seit 1996. Seit 2006 sind sie vollständig privatisiert: Los Alamos wird von Bechtel Corporation, URS (von AECOM übernommen), Babcock und Wilcox und der Universität von Kalifornien betrieben. Die gleichen vier Unternehmen betreiben Livermore, zusammen mit der Firma Batelle. Sandia ist in den Händen von Lockheed Martin.

Insgesamt wird in den nächsten dreißig Jahren eine Billion US-Dollar für diese Modernisierungs- Programme und für neue Atomanlagen (ohne die neuen U-Boote) ausgegeben werden, geschätzte 355 Milliarden im nächsten Jahrzehnt.

Der US-Kongress kann bei neuen Anschaffungen von Trägersystemen oder Anlagen intervenieren. Aus solchen Gründen wurde eine Fabrik zur Herstellung von Plutonium, „Pits“ (die Atomkerne der Bomben), bereits gestoppt.

Die Modernisierung der Atomwaffen ist also ein großes Gerangel um Macht und wirtschaftliche Vorrechte. Es gilt genau hinzuschauen, welche Banken und welche Konzerne verstrickt sind. Die Kampagne „Atomwaffen – ein Bombengeschäft“ versucht Licht in diese Verstrickungen zu bringen und Finanzinstitute in Deutschland, die in Modernisierung von Atomwaffen investieren, zu bewegen, aus diesen Geschäften auszusteigen. Am Weltspartag, dem 30. Oktober 2015, rief die Kampagne AktivistInnen dazu auf, unter dem Aktionsmotto „Spar Dir den Atomkrieg!“ Filialen der Deutschen Bank, Commerzbank sowie Allianz-Filialen in deutschen Städten aufzusuchen, um den MitarbeiterInnen Sparschweine mit dem Aktionsslogan zu übergeben. In Bonn, Frankfurt, Gießen, Hamburg, Hannover, Köln und Würzburg wurden Briefe an die FilialleiterInnen überreicht. Die öffentliche Wahrnehmung der Aktion steigert den Druck auf die Kreditinstitute, aus der Finanzierung der atomaren Rüstung auszusteigen.

Am 12. November 2015 erschien die neueste Ausgabe der ICAN-Studie „Don’t Bank on the Bomb“, herausgegeben von PAX. Die internationale Kampagne zeigt langsam Wirkung. Denn weltweit haben 53 Finanzunternehmen Investitionen in die Produktion von Atomwaffen verboten oder reduziert. Das sind 150 Prozent mehr Banken und Versicherungen als im Vorjahr. Trotzdem listet der Bericht noch 382 Banken, Versicherungen und Rentenfonds auf, die seit Januar 2012 fast 500 Milliarden US-Dollar für die Produktion nuklearer Waffensysteme zur Verfügung gestellt haben. Zehn deutsche Banken und Versicherungen investieren mehr als zehn Milliarden US-Dollar (fast neun Milliarden EUR) in Firmen, die die verheerendsten Massenvernichtungswaffen und deren Trägersysteme herstellen. Diese Unternehmen profitieren von Milliardenverträgen für die „nukleare Aufrüstung“, die die Atomwaffenstaaten vorantreiben. Mehr als 25 Millionen US-Dollar investieren deutsche Banken und Versicherungen beispielsweise in die Firma Boeing, die seit Jahrzehnten für die Entwicklung und Produktion von US-Langstreckenraketen verantwortlich ist. Boeing baut das Heckteil für die neue B 61-12-Atombombe, deren Stationierung in Deutschland voraussichtlich ab 2020 geplant ist.

Silvia Bopp ist Mitarbeiterin der Friedenswerkstatt Mutlangen e.V.
Xanthe Hall ist Geschäftsstellenleiterin und Abrüstungsreferentin der IPPNW Deutschland.

Dieser Artikel ist in einer längeren Version im IPPNWforum Ausgabe 144/Dez 2015 erschienen

Bild oben: Jubiläumsbecher der Los Alamos Study Group für 25 Jahre Arbeit. Bild: LASG

Hannover: Spar Dir den Atomkrieg!

29.10. um 16 Uhr vor der Filiale der Deutschen Bank in Georgsplatz. Foto: Friedensbüro HannoverAm 29. Oktober, einen Tag vor dem Weltspartag versammelten sich etwa 10 Menschen vor der Filiale der Deutschen Bank am Georgsplatz in Hannover. Im Rahmen der Aktion ‚Spar dir den Atomkrieg‘ oder ‚Don’t bank the bomb‘ machten sie Kund_innen der Deutschen Bank und Passant_innen im Umfeld darauf aufmerksam, dass zahlreiche deutsche Finanzinstitute, u. a. die Deutsche Bank in Atomwaffen investieren.

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Frankfurt : die Zentrale der Banken in Deutschland

Ein Dialog mit der Commerzbank, der fortgesetzt werden will

Vor der Commerzbank am Weltspartag. Foto: Heidi KassaiAm 30.10.2015, dem „Weltspartag“, wurde eine der in mehreren Städten stattfindenden Aktionen zu „Spar dir den Atomkrieg“ in Frankfurt mit einem zukunftsweisenden Gespräch eingeläutet. Die Vertreterinnen der Kampagne „Atomwaffen–ein Bombengeschäft!“ haben die Frankfurter Commerzbank-Vertreter aufgefordert, ihre Geschäfte mit kontroversen Waffen zu überdenken und von den ethischen Richtlinien und deren konsequenter Umsetzung innerhalb ihrer Bank nicht abzuweichen.

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Finanzinstitute lassen die Bombe fallen

Studie „Don’t Bank on the Bomb“

Weltweit haben 53 Finanzunternehmen Investitionen in die Produktion von Atomwaffen verboten oder reduziert. Das sind 150 Prozent mehr Banken und Versicherungen als im Vorjahr. Das ist das Ergebnis der vierten Ausgabe der Studie „Don’t Bank on the Bomb“, die die niederländische Friedensorganisation PAX heute veröffentlicht hat. Diese Steigerung macht die wachsende Stigmatisierung von Atomwaffen deutlich, deren Einsatz katastrophale humanitäre Folgen für die gesamte Menschheit hat. Trotzdem listet der Bericht noch 382 Banken, Versicherungen und Rentenfonds auf, die seit Januar 2012 fast 500 Milliarden US-Dollar für die Produktion für nukleare Waffensysteme zur Verfügung gestellt haben.

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Bundesweite Aktion zum Weltspartag am 30. Oktober 2015.

Bundesweite Aktion zum Weltspartag

 „Spar Dir den Atomkrieg!“

Die Kampagne „Atomwaffen: Ein Bombengeschäft“ organisierte am Weltspartag (30. Oktober) einen bundesweiten Aktionstag gegen die Finanzierung von Atomwaffen.

Finanzierung von Atomwaffen? Eine Sauerei!
Die drei großen Finanzinstitute Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank investieren Milliarden in Firmen, die Atomwaffenkomponenten oder Trägersysteme herstellen, entwickeln oder produzieren.

Den Weltspartag am 30. Oktober haben wir daher genutzt, um auf die Verstrickung der Bankinstitute in Atomwaffeninvestitionen aufmerksam zu machen. Aktionen fanden in Bonn, Frankfurt, Gießen, Hamburg, Hannover, Köln, Schwäbsich Gmünd und Würzburg statt. Gruppen haben dabei die Banken aufgefordert, endlich aus diesen Geschäften zurückzuziehen.

» Hier geht’s zum Facebook-Event.

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» Sparschweinplakat – Schnittmusterbogen zum Zusammenkleben

» Musterbrief an die Filialleitung (pdf)


Übersicht der Aktionen

Bonn

Weltspartag Bonn. Foto: Netzwerk FriedenskooperativeKontakt: Philipp Ingenleuf
30.10. um 11 Uhr, am Friedensplatz vor der Commerzbankfiliale

 

Frankfurt
Weltspartag Frankfurt/M. Foto: Heidi KassaiKontakt: Heidi Kassai
30.10., vor dem Commerzbank-Turm am Kaiserplatz in Frankfurt um 14 Uhr.
Bericht

 

Gießen

Weltspartag Gießen. Foto: Medinetz GießenKontakt: Conrad Matthes
30.10., Commerzbank in der Frankfurter Straße 4, 15 Uhr

 

Hamburg
Weltspartag Hamburg. Foto: Inga BlumKontakt: Inga Blum
30.10. 14-16.00 Uhr Ida-Ehre-Platz vor der Commerzbank (Ecke Mönckebergstraße/spitalerstr.)

 

Hannover

Weltspartag Hannover. Foto: Brunhild Müller-ReißKontakt: Hiltraud Stenzel
29.10. um 16 Uhr vor der Filiale der Deutschen Bank in Georgsplatz
Brief an die Filialleitung | Bericht

 

Köln

Weltspartag Köln. Bild: DFG-VK KölnKontakt: Harald Fuchs, DFG-VK Köln, www.friedenkoeln.de
30.10., um 14 Uhr Commerzbank-Filiale auf dem Hohenzollernring zwischen Rudolfplatz und Friesenplatz
Bericht | Brief an die Filialleitung

 

Schwäbisch Gmünd
Kontakt: Silvia Bopp
Treffpunkt: 30.10.2015 14.30 Uhr Kriegerdenkmal Schwäbisch Gmünd mit Ansprache. Weg zur Deutschen Bank / Übergabe Brief an die Filialleiter. Im Anschluss Zweite Kundgebung Kriegerdenkmal. Weg zur Commerzbank/ Übergabe Brief an den Filialleiter. Im Anschluss Abschlusskundgebung auf dem Johannisplatz Schwäbisch Gmünd

 

Würzburg
Weltspartag Würzburg. Foto: IPPNW Studigruppe WürzburgKontakt: Lukas Breunig
Treffpunkt: 17:00 Uhr an der alten Mainbrücke (Stadtseite)

 


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